Fotos: © Michael Nagl
Pressetext von Dr. Silvie Aigner, PARNASS, zur Ausstellung im Mai 2026
Noch bis 28. Juni präsentiert die Sammlung Werner Trenker die Ausstellung „Erich Steininger & Florian Schaumberger“. Danubiana Meulensteen Art Museum. Eröffnet wurde die Ausstellung in den direkt an der Donau liegenden Museum am 12. Mai 2026 Im Rahmen des Treffens der Slavkov 3-Partnerländer und bildete den österreichischen Beitrag zum kulturellen Programmpunkt des Treffens zwischen Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Präsident Petr Pavel (Tschechische Republik) und Präsident Peter Pellegrini (Slowakische Republik). „Kunst braucht keine gemeinsame Sprache – sie ist die gemeinsame Sprache. Dass wir diese Ausstellung im Rahmen des Slavkov 3-Treffens zeigen dürfen, ist für mich ein starkes Zeichen: Kultur verbindet, wo Politik verhandelt.“, so der Kunstsammler Werner Trenker.
Die Ausstellung präsentiert einen gelungenen Dialog zwischen den großformatigen Druckgrafiken von Erich Steininger (1939 in Oberrabenthan – 2015 Wien) und Skulpturen von Florian Schaumberger (*1962 Wien)Die Werke kreisen um den menschlichen Körper und dessen schrittweise Auflösung ins Abstrakte. Gezeigt werden ein vierzehnteiliger Farbholzschnitt aus der Werkserie „Körper wird Land“ sowie eine fünfteilige Monotypie – ein sogenannter „einmaliger Druck“ – von Erich Steininger. In der Serie überlagern sich Rosa, Gelb und Schwarz in komplexen Druckprozessen. Mehrere Platten werden auf einem Blatt übereinandergedruckt, sodass sich Figur und Struktur durchdringen, verdichten und auflösen. Einen anderen, flammenden Akzent setzen die Monotypien: einmalige Bildereignisse von unmittelbarer malerischer Präsenz. Von Schaumberger sind drei Originalholzmodelle für Bronzeskulpturen sowie eine Skulptur aus Bronze zu sehen. Sein Schaffen ist von Konkretion, Minimalismus und dem Fokus auf das Elementare geprägt. Seit 1992 widmet der Bildhauer sich intensiv der Großplastik im öffentlichen Raum. Die gezeigten Werke stammen aus den Serien der „Head“- und „Ahead“-Plastiken. In der „Head“-Serie verschränken sich kubische Formen ineinander – die Kopfform ist radikal minimalisiert, auf ein vertikales und horizontales Achsensystem konzentriert. Die „Ahead“Serie zeichnet sich aufrecht strebende, stelenartige Konstruktionen aus. Abseits ihrer formalen Strenge strahlen die Skulpturen eine geistige Kraft aus – etwas Konzentriertes, Denkendes, Verinnerlichtes.
Pressetext von Dr. Silvie Aigner, PARNASS, zur Ausstellung im Mai 2026
Steiningers Druckgrafiken zeigen den menschlichen Körper in Bewegung und Verwandlung: Durch das Übereinanderdrucken mehrerer Platten verschmelzen Figur und Farbe bis der Körper in etwas Landschaftliches übergeht. Schaumberger geht den umgekehrten Weg – er destilliert den menschlichen Kopf auf seine wesentlichen Formen: kubisch, klar, architektonisch. Wo Steininger öffnet und entgrenzt, verdichtet Schaumberger. Gemeinsam stellen beide die Frage, was vom Menschen bleibt, wenn die Form auf das Wesentliche reduziert wird – der eine in der Vergänglichkeit des Drucks, der andere in der Beständigkeit der Bronze. Florian Schaumberger lebt und arbeitet im Waldviertel und auch Erich Steinigers Arbeitsmittelpunkt war in dieser Region, wo er in einer alten Volksschule seine Druckgrafikwerkstatt etablierte. Kuratiert wurde die Ausstellung vom Sohn des verstorbenen Druckgrafikers, Florian Steininger, Direktor der Kunsthalle Krems gemeinsam mit Barbara Steininger-Wetzlmair.
„Schaumbergers Skulpturen und Steiningers Druckgrafiken sprechen auf den ersten Blick verschiedene Sprachen – und doch kreisen beide um dieselbe Frage: Was bleibt vom Körper, wenn die Form das Wesentliche übernimmt? Genau in dieser Spannung entfaltet die Ausstellung ihre Kraft“, so Florian Steininger zur Ausstellung.“
Quelle: parnass.at
Katalogtext von Florian Steininger zur Ausstellung im Mai 2026
Florian Schaumberger. Minimalistische Köpfe
Florian Schaumbergers aktuelles skulpturales Schaffen ist geprägt von Konkretion, Minimalismus und Fokus auf das Elementare. Die im Danubiana Meulensteen Art Museum präsentierten Werkbeispiele stammen aus den Serien der „Head“- und „Ahead“-Plastiken, die zwischen Figurativen und Architektonischen changieren. In der „Head“-Serie verschränken sich kubische Formen ineinander. Die Kopfform ist radikal minimalisiert, auf ein vertikales und horizontales Achsensystem konzentriert. Die organische Form mutiert zur architektonischen Konstruktion.
Schaumberger hat auf der Akademie der bildenden Künste bei Joannis Avramidis studiert, geprägt von der kubistischen Schule der Bildhauerei nach Wotruba, am Menschenbild stets festhaltend. Der Bildhauer radikalisiert die Formensprache zu einem minimalistischen Konzentrat an der Grenze zur abstrakten Aussage. Hierbei sei an die suprematistische und konstruktivistische Avantgarde erinnert, an Kasimir Malewitschs „Architektona“, skulptural-architektonische Gebilde, erschaffen aus einem rein abstrakt-geometrischen Formenvokabular der Kuben, oder an Alexander Rodtschenkos „Raumkonstruktionen“. Beide russischen Künstler orientierten sich zuvor an Pablo Picassos und Georges Braques figurativ-kubistischer Kunst. Schaumbergers Skulpturen referieren jedoch an den Menschen und sind in sich geschlossene bildhauerische Körper.
Die „Ahead“-Skulpturen sind aufrecht strebende, stelenartige Konstruktionen, Wächtern gleich in ihrer vertikalen Statuarik. Zuerst konstruiert der Bildhauer seine Skulpturen aus Holzplatten und lässt sie dann in Bronze gießen, wie etwa die Shining Ahead-Version im goldenen Schein. Abseits der formalen Dimension strahlen die Skulpturen eine geistige Kraft aus, etwas Konzentriertes, Denkendes, Verinnerlichtes, bei sich Seiendes.
So gibt Schaumberger einen der Arbeiten den Titel des Denkers, an Auguste Rodins gekauerten, die Hand an die Stirn gepressten Penseur erinnernd. Eine weiter Arbeit, die Eremit-Skulptur, veranschaulicht das in sich Gekehrte, Isolierte. Jene aktuellen Plastiken stehen diametral zu Schaumbergers zuvor entstandenen geschweißten Stahl-Skulpturen, die von Dynamik, Offenheit und gewalttätiger Expressivität gezeichnet waren.



